Rezension

Bono-Hörler Caroline: Allein gegen Goliath, Wie mein rundumversichertes Leben zum Albtraum wurde, bearbeitet von Marc Zollinger, Gockhausen, Wörterseh, 2010

Wer dieses Buch liest, wird an den alttestamentlichen Hiob erinnert. Aus dem reichen erfüllten Leben fällt Stein um Stein heraus, zerbricht jede Schale und der Boden wankt. Nichts bleibt erspart. Es bleibt nicht einmal Zeit, sich des Unglücks bewusst zu werden, kommt die nächste Welle der Zerstörung, das neue Desaster. Es ist bedrückend zu sehen, wie sich all das, worauf wir uns in unserem Staat verlassen wollten, als Betrug  entlarvt. Versicherungen versichern uns nicht mehr, sie verdächtigen uns. Menschen, die nicht arbeiten,  soll man nicht helfen sondern sie piesacken. Wer Schmerzen hat, simuliert. Es ist ein Horror.
Frau Bono ist eine willensstarke Frau, eine Kämpferin. Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen ehrgeizigen anspruchsvollen Beruf ausübt und zusätzliche Qualifikation anstrebt sollte sie – so meint man – geachtet und unterstützt werden. Das Gegenteil ist der Fall: eine solche Frau ist überfordert, schätzt sich falsch ein, ist halt doch eine Spinnerin. Das Urteil ist gefällt. So kommt dem schlechten Zeugnis unserer „Sicherheitssysteme“ noch der Genderstempel mit drauf.
Tröstlich, dass ausserhalb der Systeme persönliche Netzwerke tragen, Freundschaften halten, Mitgefühl und tätige Hilfe alltäglich sind.
Es ist gut, dass das Buch erschienen ist. Ich erlebe in x Fällen Ähnliches. Misstrauen wird zum System, Plagen zur Kultur. Beschämend.
Wer sich damit nicht abfinden will, muss das Buch lesen und mit offenen Augen und viel Zivilcourage im Nahen und im Fernen einstehen für das, was unseren Sozialstaat und unsere Kultur des Vertrauens einmal ausgemacht hat.

Monika Stocker


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